Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.
Lieferrechte werden gestärkt

Die Rahmenbedingungen im Rübenanbau haben sich seit dem Ende der EU-Zuckerquote mit den dabei neu ausgehandelten Vertragsbedingungen verändert. Es bedarf daher einer Flexibilisierung im Umgang mit dem Lieferrrecht und seiner Stärkung, um dieses Erfolgsmodell langfristig zukunftssicher zu machen - ohne jedoch dabei die Grundprinzipien in Frage zu stellen.

Stärkung des Lieferrechts durch höheren Basispreis

Für die Basisrüben aus der Ernte 2020 greift erstmals die zugesagte Mindestauszahlung von 30 €/t (16% BZG) abzüglich individueller Transportbeteiligung. Die Basisrüben bilden eine über die Jahre stabile Mengenbasis. Daher wird ihnen als Kernmenge eine besondere Wertigkeit beigemessen. Dies kann auch zu unterschiedlichen Auszahlungspreisen führen. Die Höhe des Preisunterschieds von Basis- und Mehrrüben wird von der Rübenversorgung der Zuckerfabriken und der Entwicklung am Zuckermarkt abhängen. Dadurch ist der Eigentümer oder der Nutzungsnehmer von Lieferrechten besser gestellt als ein Landwirt, der seinen Mehrrübenanteil ohne zusätzliches Lieferrecht ausdehnt. Ein klarer Anreiz, SZVG-Zeichnungen mit Lieferrecht zu kaufen oder zu nutzen. 

Vertragsabschluss in einem Schritt

Bisher mussten die Landwirte, die über 40% Mehrrüben kontrahieren wollten, zunächst einen Anbauwunsch im Rohstoffportal hinterlegen und konnten erst im zweiten Schritt, nach möglicher Genehmigung durch Südzucker, ihren Zuckerrüben-Liefervertrag abschließen. Bei jeder Änderung musste ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Jetzt kann der Landwirt seine Wunschmenge in einem Schritt kontrahieren, indem er im Rohstoffportal automatisiert auf einen Lieferrechtspool zugreift. Dafür muss er eine Poolnutzungsgebühr von 1 €/t Lieferrecht (14 % BZG) aus seinen A+R Mitteln abführen. Er kann die Gebühr einsparen und darüber hinaus seinen Basisrübenanteil auf 80% (bzw. 25% Mehrrüben) erhöhen, indem er, statt der Poolmenge, Lieferrechte eines anderen Landwirts zur Nutzung übernimmt. Die Zuckerrübenverbände und die SZVG vermitteln gerne entsprechende Angebote. Durch den zu erwartenden höheren Basisrübenpreis wird die Poolnutzungsgebühr ausgeglichen.

Poolnutzung ersetzt einjährige Nutzungen

Die beschriebene automatisierte Poolnutzung ersetzt die 2017 eingeführten einjährigen Nutzungen, durch die die Basisrübenmenge bisher angepasst wurde. Damit verbunden war ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Ab 2022 werden Lieferrechtsnutzungen nur noch für mindestens zwei Jahre eingetragen. Nur aktive Rübenanbauer können, um ihre Basisrübenmenge und damit ihren Anbau kurzfristig zu reduzieren, weiterhin einjährige Nutzungen an andere aktive Rübenanbauer abgeben. Hat ein Landwirt ackerbauliche Schwierigkeiten wegen Schädlingen oder Krankheiten (z.B. SBR) können längerfristig eingetragene Nutzungen bei der SZVG auf Antrag kurzfristig aufgelöst werden. 

Nutzung mit und ohne Fläche gleichstellen

Ab 2022 werden Lieferrechts-Nutzungen mit und ohne Fläche gleichgestellt. Bisher konnten ehemalige Rübenanbauer ihr Lieferrecht nur zusammen mit ihrer verpachteten Fläche weitergeben. Zukünftig kann jeder Rübenanbauer im Einzugsgebiet einer Zuckerfabrik (Stammwerk) diese Lieferrechte nutzen, unabhängig von der Flächenpachtung. Gleichzeit entfällt die Prüfung der 1/3-Regelung bei der SZVG, wonach ein Landwirt das Dreifache der Fläche nachweisen musste, die für den Anbau rechnerisch notwendig ist. Beides führt zu einer Flexibilisierung des Anbaus und vor allem zu einer Verringerung des Verwaltungsaufwands. Die Rübenanbauer müssen zukünftig keine Pachtverträge bei der SZVG mehr einreichen und keinen Flächennachweis erbringen. In der Branchen-Vereinbarung bleibt aber weiter die Vorgabe, dass auf demselben Feldstück frühestens in jedem dritten Jahr wieder Zuckerrüben angebaut werden dürfen.

Veränderung bei der Rübenbezahlung

Dieses Maßnamenpaket dient dazu, den Verwaltungsaufwand bei den Rübenanbauern zu verringern, den Anbau zu flexibilisieren und zugleich das Lieferrecht langfriststig zu stärken. Ein Schlüsselelement ist die Anpassung im Bezahlsystem. Der Kontraktrübenpreis leitet sich  ab der Ernte 2021 vom offiziellen Zuckerpreisreporting der EU  für die Region 2 ab, zu der Deutschland gehört. Dieses basiert auf verpflichtende Meldungen der ab-Werk-Verkaufspreise aller Zuckerunternehmen der Region, die in eine mengengewichtete Statistik einfließen. Über diesen  durchschnittlichen Kontraktrübenpreis hinaus gibt es die Rohstoffsicherungsprämie als zusätzlichen Anreiz für den Rübenanbau. Die Mindestauszahlung von 30 €/t für die Basisrüben (inkl. Rohstoffsicherungsprämie) gilt auch für 2021. Die Rohstoffsicherungsprämie kann über die 30 €/t hinaus zu einem höheren Basispreis führen. Für den Erhalt der Prämie müssen die Lieferrechte im Folgejahr angebaut werden. Dadurch wird der treue Rübenanbauer belohnt, bei Betriebsübergabe kann der Nachfolger den Anbau übernehmen.

Kein Anlass zur Reduzierung des Rübenanbaus

Für den Anbauer besteht aber durch die zu erwartende Preisdifferenzierung kein Anlass zur Reduktion seines Anbaus, sondern er kann - unkompliziert und schnell - über den Lieferrechtspool oder - wirtschaftlich vorteilhaft unter Einsparung der Nutzungsgebühr - direkt durch Nutzung von einem Lieferrechtsinhaber Mehrrüben in Basisrüben umwandeln. Dies ist auch noch nach Vertragsabschluss (bis zum 30. November vor dem eigentlichen Anbaujahr) unbürokratisch möglich. Eine Poolnutzung hat zudem keine Auswirkungen auf das Folgejahr, die notwendige Mindestfläche für den Erhalt des Erfüllungsbonus und die Rohstoffsicherungsprämie bleiben unberührt. Ob auch in den Folgejahren für den Lieferrechtspool ausreichend Lieferrecht zur Verfügung steht, kann allerdings nicht vorhergesagt werden. Für die langfristige Absicherung des Rübenanbaus und für einen bestmöglichen Rübenpreis ist es daher zu empfehlen, Lieferrecht direkt zu übernehmen.

Zusammengefasst:   

 - Die Lieferrechte werden durch einen höheren Basisrübenpreis gestärkt.

- Auch Landwirte mit einem Mehrrübenwunsch von über 40 % können in einem Schritt kontrahieren.

- Einjährige Nutzungen werden durch die automatisierte Poolnutzung ersetzt.

- Rübenanbauer können  ihre Lieferrechte an die größerere Anbaufläche anpassen. 

- Rübenanbauer müssen keine Pachtverträge mehr nachweisen.

- Lieferrechtseigentümer können ihre Lieferrechte im Einzugsgebiet (Stammwerk) ohne Fläche abgeben.

- Nach der Kontrahierung kann der Anbauer die Poolgebühr von 1 € je Tonne sparen, indem er Lieferrechte direkt nutzt.

Dr. Paul-Martin Pfeuffer